Das aktuelle Flugblatt

An dieser Stelle wird das Flugblatt publiziert, das gerade an der Universität Hamburg auf den Mensatischen verteilt wird. Im Archiv finden sich alle vorhergehenden Flugblätter.

Zum letzten Flugblatt: Völkisch ist nicht „bürgerlich“. Die AfD hat eine große Alternative.

Zur Semesteranfangszeitung für das Wintersemester 2018/2019.

Das aktuelle gemeinsame Flugblatt im Bündnis für Aufklärung und Emanzipation (BAE!):
Was es bedeutet, den Krieg wirklich abzulehnen. Anregungen auch für die Universität.

Worin besteht Heilung?
Eine Erkundung

„Ärger mit dem Chef, Einsamkeit nach einer zerbrochenen Partnerschaft, Trauer um einen geliebten Menschen, Arbeitsverdichtung und Leistungsdruck bis zum Burnout, depressive Verstimmungen oder der Wunsch, sich einfach »gut« zu fühlen – Gründe warum Menschen zur Flasche greifen, Tabletten einnehmen, Rauschmittel schnupfen, rauchen oder spritzen, gibt es unzählige. Oft steckt eine Art Flucht dahinter: Das Suchtmittel dient dazu, Probleme zu bewältigen oder bestimmte Situationen erträglicher zu machen. (...) Mit wiederholtem Gebrauch steigt das Verlangen nach der Wirkung, so dass man immer mehr konsumiert.“

Stefanie Hutschenreuter, „Der Sucht auf der Spur“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), Anzeigensonderveröffentlichung, 15.9.2019, S. V1.

 

„In einem System, in dem es darum geht, viel Geld zu verdienen, indem man möglichst viel Technik anwendet, und in dem möglichst wenig geredet, zugehört und gepflegt wird, ist der besorgniserregende Zustand der Kindermedizin keine Überraschung. (... ) Das, was Kinder instinktiv verlangen, sollte dem gesamten Gesundheitssystem bei künftigen Entscheidungen als Maßstab dienen.“

Lucia Schmidt, „Medizin ohne Empathie“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“), 14.9.2019, Leitkommentar S. 1.

 

„Der Psychoanalytiker wird arbeitslos, wenn der Patient Arbeit bekommt. Für den Armen ist das ein fast unlösbares Problem. Wenn er nicht verdient, braucht er Psychoanalyse, kann sie aber nicht erschwingen. Wenn er verdient und sie erschwingen kann, braucht er sie nicht mehr. Eine Art Lösung wäre es, wenn er, so lange er Arbeit hat, in eine Kasse einzahlte, aus der er, wenn er arbeitslos wird, eine Behandlung finanziert bekäme. Und daß er immer einmal wieder arbeitslos werden wird, kann ihm jeder Astrologe bestätigen, es steht in seinen Sternen.“

Bertolt Brecht, „Briefe an einen erwachsenen Amerikaner“, etwa 1946.

Weder die Welt, die krank macht, ist im Lot, noch die Medizin, die gesund machen soll, ist wirklich heilend. Pillen allein reichen bei weitem nicht aus. Ein Teufelskreis?

Nein, denn die Suchtflucht ist ein Problem, das Probleme deutlich macht: In einem System, in dem der Mensch ein Ding sein und lediglich – „harmlos, doof und leis“ (Kurt Tucholsky) – funktionieren soll, bleibt das menschliche Wesen leidend auf der Strecke. Das gilt auch für die streng formalisierte Leistungsstruktur des noch immer nicht hinreichend reformierten Bachelor-/Master-Systems.

Sinnvolle Arbeit, eine kooperative Arbeitsweise, eine lebendige Mitbestimmungspraxis, hinreichende soziale Absicherung, menschenwürdige, bedürfnisgerechte und erschwingliche Wohnverhältnisse, aufgeklärte Bildung und Kultur sowie eine Medizin, die zuhört, pflegt, heilt und die Patientinnen und Patienten als eigenständige Persönlichkeiten wahrnimmt, die Beendigung von Kriegen, zivile Konfliktregulierung, solidarische internationale Beziehungen, ein freundlicher Alltag, ein tatsächlich rationales Verhältnis zur Natur, gesunde Nahrung sowie die Begrüßung der Vielfalt von Seinesgleichen und politisches gemeinsames Handeln in diesem Sinne: Darin besteht die Realisierung menschlicher gesellschaftlicher Bedürfnisse.

Mit vielen Aktivitäten, die in jüngster Vergangenheit wachsen, werden diese Bedürfnisse immer anspruchsvoller erkannt und in die Tat umgesetzt. Für den Frieden, zur Regulierung des Klimawandels, in internationaler Solidarität, für bessere Arbeitsbedingungen sowie für das Streichen der „schwarzen Null“.

Auch die Wissenschaften sind hier gefordert, den noch immer mageren Boden ihrer Bescheidenheit zu verlassen. Neue Felder sind zu bestellen. Eine gute Ernte ist gewiß.

Zum Schluß noch ein Hinweis, der gemeinsam beherzigt werden kann:

SPIEGEL: Wie kommen Sie mit dem Vorwurf zurecht, Sie seien ein Verräter?

Snowden: Man muss davon überzeugt sein, dass das, was man macht, einem guten Zweck dient. Es reicht nicht, lediglich an etwas zu glauben, wenn man Dinge verändern will. Man muss auch in der Lage sein, Risiken einzugehen.“

Der Whistleblower Edward Snowden im „SPIEGEL-Gespräch“, „SPIEGEL“ Nr. 38/14.9.2019, S.80 – 83, hier S. 82.

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