Wintersemester 2019/2020

Flugblätter

Mit Mäßigung gegen Rechts?
Eine Sortierung

„Die Republik marschiert seit Jahren nach links – und reißt alle mit. Das ist auch beim Schaulaufen der SPD-Kandidaten zu beobachten. Aus dem Kampf um den Vorsitz der traditionsreichen Partei ist ein Überbietungswettbewerb sozialer Versprechen geworden – derzeit an der Spitze liegen Norbert-Walter Borjans und Saskia Esken, die ein 500-Milliarden-Investitionsprogramm fordern. (...) Viele werden dabei gar nicht von linken Parolen angezogen, sondern von der AfD abgestoßen. Ganze Themenfelder gehen so kampflos an die Populisten. Das Problem dabei: Die Wähler ticken anders. Viele in der rechten Mitte sind heimatlos geworden. Diese politische Heimatlosigkeit könnte langfristig zu einer Gefahr für die Demokratie wachsen.“

Matthias Iken, „Ein Land rutscht nach links – die AfD ist Nutznießer“, „Hamburger Abendblatt“, 28. / 29. 9. 2019, S. 2.

 

„Tui Hoo [der Wind] hatte keinen Respekt vor Denkmälern. Nicht etwa, weil sie feist waren und rotlackierte Fingernägel hatten – nein, Tui Hoo war kein Spießbürger, der sich über seinen Nachbarn aufregte, weil er einen komischen Hut trug. Er verkehrte häufig mit Damen, die Zigarren rauchten und heiser waren wie Gießkannen oder mit Männern, die Ohrringe trugen und deren Hosenbeine weit waren wie Frauenkleider. Nein, kleinlich war Tui Hoo nicht.“

Wolfgang Borchert (1921-1947), „Tui Hoo“, Geschichten aus dem Nachlaß.

Beides stimmt: Immer mehr Menschen werden von „linken Parolen“ angezogen und von der AfD (und Trump und Johnson) abgestoßen. Diesen Zusammenhang mag Herr Iken, der konservative Kolumnist vom „Hamburger Abendblatt“, nicht erkennen oder zugestehen.

Was soll populistisch daran sein, die Beendigung von Kriegen, konsequente Abrüstung und zivile Konfliktregulierung bzw. Entwicklung; ausreichende Steuererhebung für einen Sozial-, Bildungs- und Kulturstaat; ein humanes Gesundheitssystem in öffentlicher Hand; erträgliche Mieten für den menschenwürdigen Wohnraum; sinnvolle und angemessen bezahlte Arbeit; gut ausgebildete Personen in KiTas, Schulen, Krankenhäusern und Hochschulen sowie ein angenehmes und freundliches soziales Leben zu fordern? Die internationale und nahe gesellschaftliche Welt ist bei Weitem nicht so, wie sie sein sollte und könnte.

Die (nicht ewige und unüberwindbare) Stärke der rechtsextremen Kräfte hat ihre Ursache in der gewalttätigen, neoliberal formierten Gesellschaft. Diese tiefgreifende Krise ruft das Monster aus der Höhle hervor, wo es sich bereithält, gesamtprogressive Entwicklungen der Menschheit zu verhindern oder schwer zu irritieren. Nicht die Lösung der Probleme – hin auf eine menschenwürdige Gesellschaft – ist das Problem, sondern die reaktionäre und schwer neurotisch nationalistische Antwort auf das beseitigenswerte Elend ist das Problem. So hilft es wenig, darauf mit Bangen, Bescheidenheit oder sozio-kultureller Zurückhaltung zu antworten.

Vielmehr ist das Wachsen von kritischen Erkenntnissen – von Einsicht und Aussicht –, das gemeinsame Handeln für allgemeine Zwecke und angemessene Annehmlichkeiten, die heitere Veränderung des Alltagstrotts sowie die tätige Entdeckung von Seinesgleichen die Befreiung aus der Bedrängnis respektive die Sinngebung des menschlichen Lebens. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Das gemeinsame Gelingen schafft erfreuliche Persönlichkeiten.

„Die Klugheit eines Menschen läßt sich aus der Sorgfalt ermessen, womit er das Künftige oder das Ende bedenkt. Respice finem.“ (964)

Georg Christoph Lichtenberg, „Sudelbücher“, Heft F, 1776-1779.

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Semesteranfangszeitung Wintersemester 2019/20

Die Liste LINKS trifft sich freitags, 16 Uhr,
im Raum des FSR Erziehungswissenschaft.
(Von-Melle-Park 8, Raum 035b)

„Elite“ für Rendite?
Ein Vorschlag zur Besserung

„Aber was spricht schon gegen den Genuss, wenn dabei gute Gedanken abfallen? Das schlechte Gewissen rührt schon daher, dass Eliten an sich ein Verstoß gegen einen Grundsatz der Demokratie sind, denn sie postuliert die Gleichheit. Bei Wahlen soll jede Stimme das gleiche Gewicht haben, vor dem Gesetz sollen alle gleich sein. Aber die Menschen sind nicht gleich, sie entwickeln sich verschieden. Einige steigen auf und werden Elite.“

Dirk Kurbjuweit, „Das schlechte Gewissen der klugen Leute / Zeitgeist In Lech trafen sich vergangene Woche Philosophen, um über »Eliten und Demokratie« zu diskutieren. Die Gesellschaft driftet auseinander, das war der Konsens. Doch unter die Vorträge mischt sich das Unbehagen: was, wenn man selber Teil des Problems ist?“, „SPIEGEL“ Nr. 41/5.10. 19, S. 114-117, hier S. 114.

 

„Das stärkere Argument gewinnt. Wenn es mitspielen darf.“

Werbung der „Neuen Zürcher Zeitung“ für ein Online-Abo.

 

„Auch ein Grund, stolz zu sein: daß man Bürger ist! Für den Armen besteht es darin, die Reichen in ihrer Macht und ihrem Müßiggang zu erhalten. Dafür dürfen sie arbeiten unter der majestätischen Gleichheit des Gesetzes, das Reichen wie Armen verbietet, unter Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen.“

Anatole France (1844-1924), Zitat aus seinem Roman „Die rote Lilie“ (1894).

Es gibt ProfessorInnen, ÄrztInnen, ArchitektInnen, RichterInnen, RechtsanwältInnen, StaatsanwältInnen, MinisterInnen, StaatssekretärInnen, KünstlerInnen und leitende Angestellte aller Art – in Staat, Firmen und Betrieben –, die halten sich für „Elite“. Obgleich sie in dieser Gesellschaft zu Tausenden ausgebildet werden und in der Regel für Lohn oder Gehalt tätig sind, meinen sie, sie seien etwas Besonderes, Gehobenes – manche denken, sie seien außerordentlich klug. Hinzu kommt bisweilen die Einbildung, ein hohes Einkommen und ein entsprechender Status-Konsum (z.B. Parlieren in einem Alpen-Luxushotel, der Erwerb von Designer-Kleidung) seien ein Ausweis gehobener persönlicher Qualität. Die – auch geistige – Vornehmheit symbolisiere sich durch eine hohe Stellung in der gesellschaftlichen Hierarchie. Hühnerleiter!

Gemessen aber an der Menschenwürde, der Gleichheit vor dem Gesetz, dem demokratischen und sozialen Rechtsstaat (Grundgesetz); beurteilt gar an den Herausforderungen dieser Zeit in der Zivilisationsentwicklung (Aufklärung, Frieden, Demokratie, soziale Parität, rationales Mensch-Natur-Verhältnis, gebildete Kooperation zwischen allen Ländern und in allen gesellschaftlichen Bereichen), sind solche sogenannten Leistungsträger kulturelle Versager. Dieser Typus ist eher Teil des Problems als erfreuliche Persönlichkeit der Lösung im gemeinschaftlichen Erkenntnis- und Arbeitsprozeß.

Für die Hochschulen, ihre Bildung und Ausbildung, für die wissenschaftliche Praxis aller Beteiligten, ergibt sich daraus die Alternative, die Mühsal der menschlichen Existenz zu erleichtern oder zu erschweren; den Egoismus (Schein statt Sein) oder die gesellschaftliche Verantwortung solidarische Qualifikation) geistig und kulturell zu praktizieren.

Das betrifft ebenso die bedarfsgerechte Finanzierung der Hochschulen, die Studienreform bzw. das Engagement in der Akademischen Selbstverwaltung, in den Personalräten und in der Verfaßten Studierendenschaft. Wir haben stets die Wahl, auch wenn gerade nicht gewählt wird. Sinngebung geht vor Status.

„Die kürzesten Irrtümer sind immer die besten.“
(Molière, „Der Tollpatsch oder die Rückschläge“, 1655)
Für Nachdruck in der Studienreform

FAZ: Frau Bulmahn, die Bologna-Erklärung wird am 19. Juni 2019 zwanzig Jahre alt. (... ) Welches Fazit ziehen Sie heute?
Bulmahn: Langfristig war der Bologna-Prozess ein Erfolg. Kurzfristig gab es sicherlich Schwierigkeiten bei der Umstellung auf ein zweigestuftes Studiensystem. Kernziel war es, nicht nur ein wirtschaftlich starkes Europa zu schaffen, sondern ein »Europa des Wissens«. (... ) Der Bologna-Prozess stellt ja nicht das Humboldtsche Bildungsideal infrage.“

Edelgard Bulmahn (SPD, Bundesministerin für Bildung und Forschung 1998-2005), „Da ist etwas aus dem Ruder gelaufen“, Interview in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“), 19.06.2019.

 

„Weltbürgertum ist jenes kollektive Band, das die Menschen, unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Sozialisation verbindet: Bei Humboldt heißt es: »Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln, ist im höheren Sinn des Wortes Leben«. Das Bemühen soll darauf zielen, sich möglichst umfassend an der Welt abzuarbeiten und sich dadurch zu entfalten. Zum Weltbürger werden heißt, sich mit den großen Menschheitsfragen auseinanderzusetzen: sich um Frieden, Gerechtigkeit, um den Austausch der Kulturen, andere Geschlechterverhältnisse oder eine andere Beziehung zur Natur zu bemühen.“

Jürgen Hofmann „Welche Bedeutung hat das Humboldt'sche Erbe für unsere Zeit?“, Vortrag bei der Humboldt-Gesellschaft, 08.01.2010.

 

„Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“

Karl Marx, „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung“, 1843-44, MEW Bd. 1 S. 385.

Die ehemalige Wissenschaftsministerin irrt: Der Bologna-Prozess war ein Kontra zu humanistischer Bildung und ist – bis heute – ein Desaster.

Weltbürgertum, internationale Völkerverständigung und die humane Veränderung der Welt als Persönlichkeitsentwicklung einerseits und die Unterordnung von Mensch und „Wissen“ unter das Ziel der ökonomischen und machtpolitischen Stärkung des „Standorts“ Europa andererseits sind ein Gegensatz.

Die Rückgewinnung und Erweiterung humanistischer Bildung und verantwortungsvoller Wissenschaft gelingt deshalb nur in kritischer Bilanz der neoliberalen Deformierung des Studiums. Selektierende Spaltung in Bachelor und Master, dauerhafter „studienbegleitender“ Prüfungsstress, konfektionierte Lernbausteine („Module“), nach Sudoku-Prinzip gebastelte Semesterpläne und durchgetaktete Studienverläufe bedeuten Konkurrenz zwischen den gemeinsam Lernenden, „Bulimielernen“, konforme Erstarrung der Wissenschafts inhalte, Entfremdung zwischen Studierenden, Lehrenden und Verwaltung und eine erhebliche Einschränkung der Teilhabe an der demokratischen Selbstverwaltung von Forschung, Lehre und Bildung.

Das alles ist eine enorme Hemmung für die in der Uni gewollte Bildung mündiger Persönlichkeiten in bewußter Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung menschenwürdigen Lebens überall auf der Welt. Deshalb streitet eine Großzahl der Uni-Mitglieder für eine tiefgreifende Studienreform.

Das Studium muss neu bestimmt sein durch solidarisches Lernen, exemplarische und vertiefte Reflexion, Freude an der substantiierten Erkenntnis, lebendige Entwicklung von menschenfreundlichen Fragestellungen und Antworten, Persönlichkeitsbildung und souveräne Studiengestaltung sowie demokratische Teilhabe an der Weiterentwicklung der Wissenschaftseinrichtungen.

Notwendige und überfällige Reformen sind: ein selektionsfreier Übergang vom Bachelor zum Master, massive Reduzierung der (benoteten) Prüfungen, die Abschaffung aller Fristen und der Begrenzung von Prüfungsversuchen, die Ausweitung von Projektstudium und die umfangreiche Schaffung freier Wahlbereiche.

Dafür bedarf es auch der gesetzlichen Ermöglichung und unbedingt ausreichender – also erheblich gesteigerter – finanzieller Mittel. Auch deshalb gehört die „Schuldenbremse“ abgeschafft.

Frieden ist Menschenrecht!

„Artikel 1: Jeder hat das Recht auf den Genuss von Frieden unter Bedingungen, in denen alle Menschenrechte gefördert und geschützt werden und die Entwicklung voll verwirklicht wird.
Artikel 2: Die Staaten sollen Gleichheit und Nichtdiskriminierung, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit achten, verwirklichen und fördern und die Freiheit von Furcht und Not als Mittel zur Konsolidierung des Friedens innerhalb von und zwischen Gesellschaften garantieren.“

Erklärung über das Recht auf Frieden der UN-Generalversammlung 2016.

Bürgerliche Parteien und Medien reden meist nur dann von Menschenrechten, wenn sie zur Legitimation von „humanitären“ Militäreinsätzen herbeigezogen werden. Ob Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Libyen oder Syrien – Menschenrechte wurden zum Synonym von formaler Demokratie und kapitalistischer „ Freiheit“ und als Kampfbegriff der westlichen „Wertegemeinschaft“ eingesetzt.

Doch was sind die Menschenrechte wirklich?

Mit der Französischen Revolution und dem Ausgang aus der feudalen und klerikalen Herrschaft wurden zum ersten Mal politische Voraussetzungen für ein freies, gleiches, solidarisches Leben für alle Menschen geschaffen. Die „ Menschenrechtserklärung“ von 1789 beinhaltete bereits Forderungen nach Freiheit, Gleichheit, Unveräußerlichkeit, Schutz des Lebens und des Eigentums, Schutz vor staatlicher Willkür und Widerstandsrecht gegen „irgendeine Regierungsform“, die „sich als diesen Zielen abträglich erweist“. Damit einher geht von Beginn an die Souveränität der Staaten und das Selbstbestimmungsrecht der Völker, was heute gerne vergessen wird.

Der zweite, soziale Teil der Revolution wurde erst 1917 in Rußland auf den Weg gebracht.

Im Kapitalismus wurde und wird vor allem das Privateigentum geschützt, was sich immer mehr im Widerspruch zu dem Wohl aller Menschen und den internationalen Beziehungen bewegt.

Nach der Befreiung vom Faschismus und Zweiten Weltkrieg wurde 1945 die UNO-Charta als neue Grundlage für ein weltweit ziviles und soziales Zusammenleben erarbeitet. In der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ von 1948 sind weitreichende liberale Grundrechte, aber auch das Recht auf soziale Sicherheit, Arbeit, Bildung, Gesundheit usw. verbrieft. 1966 folgten der „Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ und der „Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte“, mit denen die Menschenrechte verbindlich gemacht werden sollten. Allerdings wollten die kapitalistischen Regierungen nur den „Zivilpakt“, der „Sozialpakt“ wurde von den sozialistischen und Blockfreien Ländern durchgesetzt. Beide Pakte beinhalten das Selbstbestimmungsrecht der Völker als Menschenrecht, d.h. eine Einmischung in oder Angriffe auf andere Staaten ist nicht vorgesehen.

Frieden als Menschenrecht kommt in den 80er Jahren, in Zeiten des Kalten Krieges, ernsthaft ins Gespräch. 1984 verabschiedete die UNO eine „Erklärung zum Recht der Völker auf Frieden“, mit der gegen die Gefahr des atomaren Wettrüstens Frieden zum ersten Mal als ein Menschenrecht qualifiziert wird und von den Staaten gefordert wird, ihre Politik auf die Beseitigung der Kriegsgefahr, auf Gewaltverzicht und die friedliche Beilegung von Konflikten auszurichten. Die Erklärung blieb nicht wirkungslos, wurde aber auch nicht verwirklicht.

Nach der „Wende“ war die Friedensbewegung weiter aktiv gegen die wachsende Aggressivität der expansiven Außenpolitik. Eine weltweite Allianz von NGO‘s arbeitete auf die „Erklärung von Santiago“ (de Compostela, Spanien) hin, einen umfangreichen Katalog von Friedensbildung über menschliche Sicherheit, das Recht auf eine gesunde Umwelt bis hin zu Abrüstung und Kriegsdienstverweigerung, der bis heute als höchster Standard für das Menschenrecht auf Frieden gilt.

Dem zufolge begann auf Vorschlag Kubas der UN-Menschenrechtsrat die Arbeit an einer Erklärung zum „Recht auf Frieden“. Dies richtete sich gegen den zunehmenden Interventionismus des Westens, entsprechend uneinig waren sich westliche und südliche Welt. Die Erklärung wurde schließlich stark reduziert 2016 mit den Stimmen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sowie Russlands und Chinas von der Generalversammlung angenommen. Im Unterschied zu „Santiago“ war das Recht auf Widerstand gegen Regimes, die internationale Verbrechen oder Verletzungen der Menschenrechte begehen, nicht mehr vorhanden. Es wird sich jedoch positiv auf die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) bezogen, der Kampf gegen Armut und für Entwicklung betont und auch der Einsatz gegen Rassismus und Intoleranz mit einbezogen. Streitfragen sollen im friedlichen Dialog gelöst werden und bei der Bekämpfung von Terrorismus seien die Menschenrechte zu wahren.

Die Geschichte zeigt: Krieg ist selbst die größte Menschenrechtsverletzung und gehört aus dem Leben der Menschheit gebannt. Alle haben ein Recht auf Frieden. Zum Frieden gehört Soziales und Bildung und Gesundheit. Das Menschenrecht muß erkämpft werden.

„Artikel 4: Es müssen internationale und nationale Einrichtungen für Friedenserziehung gefördert werden, um den Geist der Toleranz, des Dialogs, der Zusammenarbeit und der Solidarität unter allen Menschen zu stärken. In dieser Hinsicht soll die Friedensuniversität durch Lehre, Forschung, Postgraduierten-Ausbildung und Verbreitung von Wissen zu der großen universellen Aufgabe der Friedenserziehung beitragen.“

(a.a.O.)

Bücher

„Wenn der Mensch
von den Umständen
gebildet wird, so muß
man die Umstände
menschlich bilden.“

Karl Marx/Friedrich Engels,
„Die heilige Familie“
1844/45, MEW 2, S.138.

Frieden, Arbeit, Brot –
Veränderung tut not!

„Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat in Berlin den ›DGB-Index Gute Arbeit 2018‹ vorgestellt. Daraus geht hervor, dass sich 52 Prozent der deutschen Beschäftigten bei der Arbeit oft gehetzt fühlen und großem Zeitdruck ausgesetzt sind. Fast jede und jeder Dritte sieht sich häufig verschiedenen Anforderungen ausgesetzt, die schwer vereinbar sind. (...) Neben zeitlichem Stress am Arbeitsplatz gehören Konflikte mit Kunden, Patienten oder Klienten sowie Angst vor mangelnder Altersvorsorge zu den größten Belastungen.“

„DGB-Index“, „SPIEGELONLINE“, 22.11.’18.

 

„Wer die Krisis nicht fühlt, nicht mit dem eigenen Wesen daran teilhat, der lebt nicht. Wer sie zwar fühlt, aber sich rein konservativ dagegen verstockt und sich vergrämt ans Alte klammert, schließt sich gleichfalls vom Leben aus. Der Wahrheit ins Gesicht sehen zu können, dieser Mut ist die erste Bedingnis des Lebens; denn Wahrheit und Leben sind zu sehr ein und dasselbe, als daß ein Leben außerhalb der Wahrheit und gegen die Wahrheit überhaupt denkbar wäre.“

Thomas Mann, „Ansprache an die Jugend“, 1931.

Die Arbeitsbedingungen bzw. ihre Bewertung spiegeln den Zustand der Gesellschaft. Sinn, Bezahlung und Mitbestimmung liegen im Argen.

Wandlungen, die gemeinsam unternommen werden, sind erforderlich und treten hervor. Besserungen sind so in Aussicht.

Der Mensch ist gesellschaftlich und will sich – sozial, politisch, kulturell – verwirklichen.

Das gilt in Hochschule und Gesellschaft – gesagt und getan.

So kooperieren wir mit anderen fortschrittlichen Gruppierungen in den Gremien der studentischen Interessenvertretung, in der Akademischen Selbstverwaltung und in außerparlamentarischen Bewegungen: in Fachschaftsräten, in der Fachschaftsrätekonferenz, im Studierendenparlament, im Akademischen Senat, in Fakultätsräten, in der Friedensbewegung, in Bündnissen gegen Neofaschismus, in Aktivitäten gegen Sozialabbau. Wir sind bundesweit als Gründungsmitglied im Hochschulgruppenverband Die Linke.SDS organisiert.

Dieses Engagement ist uns alltägliche und stets menschliche Angelegenheit. Allseitige Emanzipation als erstes Bedürfnis. Dem sollte sich auf Dauer niemand entziehen.

„Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?“

Bertolt Brecht, „Lob der Dialektik“, 1934.

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Soziale Verantwortung
Eine Erweiterung der Persönlichkeit

„Es hat etwas Abwegiges, die drohende Klimakrise der Oma Trudi und dem Opa Herbert anzulasten, weil die gedankenlos falsch gelebt haben ‐ und die Krise jetzt logisch durch eine neue Form der marktliberalen Eigenverantwortung lösen zu wollen; nur dass es diesmal ‐ anders als bei der Agenda ‐ nicht heißt, die Leute seien zu wenig bereit, auch mal für weniger Geld zu arbeiten, sondern dazu, ihren Lebensstil zu ändern und Was ‐ auch ‐ immer aufzugeben, damit bald das Klima nicht mehr kriselt. Das alte Gedröhne vom Glück durch Individualverzicht, das beim Klima übrigens gerade kurioserweise jene besonders laut beklagen, die sich bei der Agenda nach Wehrufen nach individuellem Verzicht überschlugen. (...)
Das Dogma abzulegen und Ökonomen viel stärker darüber sinnieren zu lassen, wie ein großes politisches Programm gegen die Klimakrise aussehen könnte ‐ das würde weit mehr helfen als alle Appelle an Eigenbeitrag und Individualvernunft zur Klimarettung. Zumal so ein großer Wurf mit Investitionen in neue Infrastruktur und bessere Energien es erst möglich und viel einfacher machen würde, danach auf Alternativen umzusteigen, die heute viel zu teuer sind.“

Thomas Fricke, „Bundesregierung / Alte Dogmen abschalten und die Klimakrise lösen“, „SPIEGELONLINE“,18.10.2019.

 

„Denn der einzelne kann sich mit all denen zusammenschließen, die dieselbe Veränderung wollen, und wenn diese Veränderung vernünftig ist, kann der einzelne sich in einem imponierenden Ausmaß vervielfachen und eine Veränderung erzielen, die viel radikaler ist, als es auf den ersten Blick erscheint.“

Antonio Gramsci, „Gefängnishefte“, Heft 10 (1932-1935), § 54 „Einführung in das Studium der Philosophie. Was ist der Mensch?“

Ein SUV (Landsportwagen) ist kein vernünftiges Auto; der Verbrennungsmotor fährt auf sein wohlverdientes Ende zu. Fossile Brennstoffe taugen schon lange nicht mehr zur umweltverträglichen Energieerzeugung. Kriege sind auch Umweltkiller.

Umwelt- und nicht zuletzt auch menschenverträglicher sind kleinere Karosserien und Motoren, alternative Antriebe, der Ausbau und die Vergünstigung von öffentlichem Nah- und Fernverkehr, der Transfer von Gütern von der Straße auf die Schiene, der vermehrte Einsatz regenerativer Energiegewinnung, die Beendigung von Kriegen und Rüstungsexporten, der Umbau von militärischer in zivile Produktion sowie die Entwicklung ziviler, kooperativer und sozial gerechter internationaler Beziehungen.

Auf diese allgemeinen Zwecke hin sind staatliches politisches Handeln, die Wissenschaften sowie in ihrer Mehrzahl die betroffenen Menschen gefordert. Hier hilft kein pur individuelles Handeln (Konsumverzicht), zumal die gesellschaftlichen Individuen durch gesellschaftliche Strukturen sozialer Ungleichheit in ihrem Wirkungsradius begrenzt sind. Die Einrede rein persönlicher Schuld begrenzt diese Unterschiede zusätzlich.

Worauf es ankommt, ist die bekanntermaßen vernünftige strukturelle Veränderung durch gemeinsames politisches Handeln. Es gibt stets eine Alternative. „Eigenverantwortung“ ist Mist. Solidarisches Engagement befreit auch aus mancher Niedergestimmtheit. Ein neuer sozialer Akzent der Wissenschaften ist gefordert. Angewandtes Lernen steht auf der Tagesordnung – gesellschaftliche Verantwortung als Wissenstransfer. Und: Die „Schuldenbremse“ ist zu lösen.

www.schluss-mit-austeritaet.de

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Was ist „Glück“?
Zu den Kontroversen

„Der italienische Sportminister Vincenzo Spadafora fordert sogar, dem türkischen Fussballverband die Austragung des Champions-League-Finals in Istanbul im kommenden Jahr zu entziehen. Grundsätzlich, das sei vorausgeschickt, wären Sanktionen in einem Fall wie der Türkei wünschenswert. Es kann nicht im Sinne des Europäischen Fussballverbandes (Uefa) sein, dass eine Mannschaft Propaganda für einen Angriffskrieg macht.“

Stefan Osterhaus, „Wird der Sport idealisiert, hat die Politik leichtes Spiel“, „Neue Zürcher Zeitung“ („NZZ“), 28.10.2019, S. 16.

 

„Was die positive Psychologie geschafft hat, ist diese Verantwortung [für Werte wie Gleichheit oder Gerechtigkeit] vollständig auf den Einzelnen zu schieben. Der Einzelne ist für sich selbst und die Verbesserung seines Schicksals verantwortlich. Das ist die pure Ideologie des Neoliberalismus. Glück dient als neuer Weg, diese Politik zu legitimieren und umzusetzen. Sie muss nur einen Weg finden, den Menschen mit seinem Schicksal zu versöhnen. (...)
Die Glückswissenschaft stigmatisiert negative Gefühle wie Zorn, Wut oder Hoffnungslosigkeit. Übrigens können viele dieser vermeintlich negativen Gefühle ein Mittel zur Veränderung sein. Die Frauenbewegung war erfolgreich, weil sie von Zorn, und nicht, weil sie von Glück angetrieben wurde.“

Prof. Eva Illouz (Soziologie) im „SPIEGEL-Gespräch“, Nr. 44 / 26.10.2019, S.104-107, hier S. 106.

 

„Zur Notiz
Die Philister, die Beschränkten,
Diese geistig Eingeengten,
Darf man nie und nimmer necken.
Aber weite, kluge Herzen
Wissen stets in unsren Scherzen
Lieb und Freundschaft zu entdecken.“

Heinrich Heine, Gedichte 1827–1832.

„Glück“ läßt sich aktiv charakterisieren als das persönliche und gemeinsame Gelingen positiver allgemeiner und konkreter Verbesserung gesellschaftlicher (sozialer, kultureller und politischer) Bedingungen und Möglichkeiten, die über den sozialen Nahraum, das lediglich individuell Gestaltbare und die nächste Zeit hinausgehen bzw. Einengungen, Widerstände und Hemmnisse übersteigen. Diese Zufriedenheit führt meist zu neuen Ansprüchen, die neue Qualifikationen erfordern und eine erweiterte Kooperation kultivieren können. So wird ein Schuh daraus.

Die Welt ist im Umbruch. Davon ist kein gesellschaftlicher Bereich ausgenommen.

Gelingt es, den Hunger zu besiegen? Gesundheit für Alle zu schaffen? Bildung in jede Ecke der menschlichen Welt zu bringen? Gewaltfreie Verhältnisse zu erkämpfen? Menschenwürdige soziale Bedingungen zu erwirken? Die Naturzerstörung aufzuhalten und umzukehren? Die Dominanz aufgeklärter Politik rational zu erstreiten? Wissenschaft und Technik, Organisation und (Selbst-)Verwaltung, kulturellen Austausch und Handel verantwortungsvoll zu gestalten? Bei aller Ernsthaftigkeit den Humor nicht zu verlieren? Im Alltag das Übernächste zu bedenken? Seinesgleichen zu erkennen und ggf. für die Gleichgültigkeit zu kritisieren? Den Trott zu unterbrechen und die Richtung zu ändern? Den Kurs zu halten?

Diese Fragen werden von Vielen gestellt und beinhalten gleichermaßen ihre Antworten. Sie sind sehr praktisch, von allgemeiner Bedeutung und gehen jede(n) etwas an. Das betrifft nicht zuletzt auch die Wissenschaften, die keineswegs unpolitisch sind.

Die Gesellschaft entwickelt sich in Konflikten. Wer das Bessere will, wird weit wissend konfliktfähig.

„Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun.“

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Was ist die Streitsache?
Eine politisch-kulturelle Sortierung

„Höcke selbst ist Gegenstand eines interessanten Rechtsfalles um Meinungsfreiheit, der vor dem Verwaltungsgericht im thüringischen Meiningen ausgetragen wurde. Es ging um die Frage, ob man Höcke bei einer Kundgebung als Faschisten bezeichnen dürfe. Die Stadtverwaltung Eisenach hatte dies untersagt, unterlag aber Ende September vor Gericht. In ihrer Urteilsbegründung betonen die Richter, dies sei kein aus der Luft gegriffenes Werturteil, das anfechtbar wäre, es gebe eine überprüfbare Tatsachengrundlage für diese Behauptung. Die Urteilsbegründung verweist auf ein Interviewbuch Höckes, das im Juni des vergangenen Jahres erschienen ist. Dort heißt es: Ein neuer Führer sei letztlich erforderlich. Teile der Bevölkerung sollten ausgeschlossen werden, insbesondere Migranten. Höcke trete für die »Reinigung Deutschlands« ein. Mit starkem Besen sollten eine »feste Hand« und ein »Zuchtmeister« den Saustall ausmisten. Zu Hitler erklärte er, dass er »als absolut böse dargestellt wird« und dass es nicht so »schwarz und weiß« sei. Man darf Höcke also einen Faschisten nennen. Es lebe die Meinungsfreiheit, erst recht, wenn sie sich auf Tatsachen stützt“.

AutorInnengruppe, „Grenzöffnungen“, „SPIEGEL“ Nr. 45 / 2.11.2019, S. 10-19, hier S. 19.

 

„Kaum jemand ist ja sensibler, beleidigter, schneller gekränkt als jene, die gerade ständig und immer selbstverständlicher sagen, was sie angeblich nicht sagen dürfen. Es sind die Politiker der AfD und anderer rechter Bewegungen, die überall linken Tugendterror und Denkverbote fühlen und unaufhörlich jammern, wenn man ihre Lügen richtigstellt oder ihren Parolen widerspricht. Es sind die größten Hater in den sozialen Medien, die sich am lautesten über den Sturm beschweren, der ihnen entgegenschlägt. Sie sind die letzten, die sich über die Weinerlichkeit der Schneeflocken [Sensibilität gegenüber Diskriminierung] aufregen sollten.“

Harald Staun, „Hier spricht die Sprachpolizei“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 3.11.2019, S. 41.

 

„Die Republik muß weise sein. (...) Nichts Schlimmeres könnte der Republik widerfahren als eine Verdrossenheit gerade jener Volksschichten, die sie zu ihrer Verteidigung braucht und die in ihrer ganzen Denkungsart zu ihr gehören.“

Carl von Ossietzky, „Der Aufmarsch der Reaktion“, Berliner Volks-Zeitung, 31.1.1920.

Berlin ist nicht Weimar und Lucke ist nicht Höcke. Und: Aus Weimar (1919-1933) ist zu lernen und Lucke ist mitverantwortlich für Höcke. Beides ist bedeutsam.

Was ist Wahrheit? Die Analyse von Tatsachen, der Widerspruch zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit (als Teil der Wirklichkeit – im Guten wie im Schlechten), die Wirklichkeit als Entwicklung sowie die Möglichkeit des Erwirkens besserer Bedingungen.

Was ist die Wirklichkeit? Der Neoliberalismus mit seinen rabiaten Privatisierungen ist in der Krise. Darauf ist ein strammer Nationalismus, wie ihn auch die AfD vertritt, eine strikt rückwärtsgewandte Antwort. Eine vorwärtsgewandte Antwort ist die menschenwürdige und engagierte Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse für und durch die Mehrheit der Bevölkerung, als ein Verlassen der allumfassenden Kommerzialisierung und Individualisierung sozialer, kultureller und politischer Beziehungen.

Dafür stehen und wirken die Friedensbewegung, Aktivitäten für internationale Solidarität, das Engagement für die Klimawende, die Rekonstruktion des Sozialstaates, Forderungen für sinnvolle Arbeit, angemessene Bezahlung, wirksame Mitbestimmung in Betrieben und Institutionen, die Aufklärung in Schulen und Hochschulen, anregende Kunst, Kultur und lebenslanges Lernen, der praktische Sinn für Kooperation, das Setzen auf Argumente und Erkenntnisfortschritt sowie eine freundliche Alltagskultur. Auf diese Weise werden Möglichkeiten realisiert, die (fast) Allen zur Verfügung stehen, die auf bessere Lebensbedingungen orientiert sind, den Verdruß mindern, die Isolation aufheben, aus der Krise hinausführen respektive eine echte Alternative darstellen und realisieren.

Hier sind ebenso die Hochschulen bzw. die Akademische Selbstverwaltung und die studentische Interessenvertretung in neuer Dimension gefordert. Die so entwickelte Haltung und Praxis sollte mit den verschieden möglichen Akzenten humanistisch sein. Die aktive Bejahung des Besseren ist das beste Kontra zum Falschen.

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Kritik und Engagement
Wirksam und besser gestimmt

„Als im Sommer vor 30 Jahren der Kommunismus zu kollabieren begann, deklarierte der US-Politologe Francis Fukuyama, nun sei die Geschichte zu Ende. Die Menschheit habe sozusagen den Idealzustand erreicht ‐ Demokratie und Kapitalismus. Aufgabe erledigt. Erde glücklich. (...)
Mit dem Fall der Mauer wurde dereinst ein Trend beschleunigt, der Anfang der Achtzigerjahre mit dem Antritt von Ronald Reagan in den USA und Margaret Thatcher in Großbritannien begonnen hatte. Demnach ist es wirtschaftlich per se immer gut, wenn der Staat sich zurückzieht; wenn jeder erst einmal an sich denkt, statt über Gesellschaft zu sinnieren; wenn jeder für sich vorsorgt, statt auf Hilfe vom Staat zu zählen; wenn alles dem strengen Wettbewerb ausgesetzt ist; wenn Reiche von Steuern entlastet werden; und wenn Banken wie andere Finanzjongleure so frei wie möglich mit Geld spekulieren können.“

Thomas Fricke, „30 Jahre Sieg des Kapitalismus / Abstieg eines Superstars“, SPIEGELONLINE“, 8.11.2019.

 

„In Deutschland sind die Zahlen zwar weniger dramatisch [als in den USA], aber klar sei, dass überdauernder Stress tatsächlich eine der Hauptursachen für Depressionen ist, sagt Psychiater Reif. Und den empfinden einer Studie der Techniker Krankenkasse zufolge immerhin die Hälfte der Studentinnen und auch vier von zehn Studierenden insgesamt. Zu den wichtigsten Auslösern für diese stressbedingte Erschöpfung gehören der Studie zufolge Prüfungsstress, der Lernstoff selbst, die Doppelbelastung von Studium und Nebenjob, finanzielle Sorgen, die Angst vor schlechten Noten und die Angst, nach dem Studium keinen Job zu finden.“

Katrin Hummel, „Diese überwältigende Angst“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 10.11.2019, S. 13.

 

„Was am Ausgang dieses Krieges stehen muß, und wird, ist klar. Es ist der Beginn einer neuen Weltvereinigung; die Schaffung eines neuen Gleichgewichts von Freiheit und Gleichheit; die Wahrung der individuellen Werte im Rahmen der Forderungen des kollektiven Lebens; der Abbau der nationalen Staatssouveränität und die Errichtung einer Gesellschaft freier, aber der Gesamtheit verantwortlicher Völker mit gleichen Rechten und Pflichten.“

Thomas Mann, „Deutsche Hörer!“ (Radioansprachen aus dem Exil, 1940-1945), November 1940.

Die Geschichte (der Menschheit) ist nicht zu Ende, sie ist nicht vergangen, aus ihr läßt sich lernen, sie geht weiter und läßt sich in jedem Falle gestalten – gestern, heute und für morgen.

Eine nervliche Belastung: In letzter Zeit war immer wieder auf allen Kanälen davon zu lesen, zu hören sowie zu sehen, wir (Deutschen) lebten in der besten, schönsten, glücklichsten, demokratischsten, freiesten Welten aller Zeiten. Wer begründete Zweifel daran hegt, mit dem sei etwas nicht in Ordnung, er – oder sie – gehe am besten zum Arzt.

Wenn so viel gefühlvolle Propaganda am Werke ist, muß etwas nicht stimmen.

Allein schon das bloße Aufrufen von Personen oder Tatsachen wie Trump, Brexit oder AfD macht überdeutlich, wie sehr mit schier unerträglichem Pathos geschönt und verbogen wird, um von der Misere und ihrer Kritik und Alternative abzulenken, damit die Gemüter der Menschen, die keine Esel sind, von progressiven Gedanken und Taten respektive neuen Verbindungen zu Ihresgleichen abgebracht werden.

Da aber die Würde des Menschen allerorten und zu jeder Zeit auf empfindliche Weise angetastet wird, regt sich zunehmend kooperatives Engagement für die Beendigung von Kriegen, für die Solidarität über Länder- und Wohlstandsgrenzen hinweg; da wird die „ Schuldenbremse“ in Frage gestellt, die Wiederherstellung des Sozialstaates verlangt; qualifizierte und angemessen bezahlte Arbeit auf die Tagesordnung gesetzt; die AfD fundamental abgelehnt; da werden massive Maßnahmen gegen den katastrophalen Klimawandel gefordert; wird der Alltag aufmerksamer und anspruchsvoller gestaltet, die gesellschaftliche Kultur zum Besseren verändert.

In diesen Zusammenhang sind auch die fortgesetzten Bemühungen um die Studienreform einzuordnen: Die Reduzierung von Restriktionen und Lernstress, die kooperative und fächerübergreifende Gestaltung des wissenschaftlichen Lernens als Bildung solidarisch verantwortlicher Persönlichkeiten sowie die hinreichende Finanzierung der Hochschulen sind die Elemente der humanistisch zu realisierenden Wissenschaften.

Darauf kommt es an – als Alternative zu primitiver Propaganda, Passivität und Mißgestimmtheit.

Aufrechte Entfaltung ist menschlich.

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Wozu sind Milliardäre gut?
Für eine Renaissance der Gerechtigkeit

„Dass die Reichsten der Reichten 2018 insgesamt weniger geworden sind, wird die Kritiker großer Vermögen ebenso wenig besänftigen wie der Umstand, dass die Zahl der Milliardärinnen inzwischen rascher wächst als jene der milliardenschweren Männer. Denn wahr ist auch: Seit Jahren wächst das Vermögen der Superreichen deutlich rascher als der globale Wohlstand insgesamt. Kein Wunder, dass die Kritik an der Plutokratie immer populärer wird, von links bis rechts. (...) Das Gewinnstreben bleibt ein Trieb der menschlichen Natur, von dem alle profitieren.“

Rainer Hank, „Wozu Milliardäre gut sind“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 17.11.2019, S.18.

 

„Müller: Bestimmte Formen des globalisierten Kapitalismus sind mit dem autoritären Staat vergleichbar, der dem Einzelnen seine Lebensführung vorschreibt. Liberalismus beruht auf der Idee der Freiheit – auch und vor allem von Not und von Furcht vor Willkür und Machtkonzentration.“

Der Politikwissenschaftler Werner Müller im „SPIEGEL-Gespräch“, Nr. 47 / 16.11.2019, S. 128-130, hier S. 130.

 

„Wir haben die Lande gemessen, die Naturkräfte gewogen, die Mittel der Industrie berechnet, und siehe, wir haben ausgefunden; daß die Erde groß genug ist; daß sie jedem hinlänglich Raum bietet, die Hütte seines Glücks darauf zu bauen: daß diese Erde uns alle anständig ernähren kann, wenn wir alle arbeiten und nicht einer auf Kosten des anderen leben will; und daß wir nicht nötig haben, die größere und ärmere Klasse an den Himmel zu verweisen.“

Heinrich Heine, „Die Romantische Schule“, Drittes Buch, 1835 (!).

Selbst der Wirtschaftskolumnist der deutlich konservativen Frankfurter Zeitung (erstes Zitat) kommt um die Tatsachen nicht herum: Der weltweite Reichtum der Milliardäre wächst schneller als der globale Wohlstand. Armut, Hunger, Elend bzw. menschenunwürdige gesellschaftliche Bedingungen haben ihre soziale Ursache, denn diese Vermögen werden von den Vielen erarbeitet und ihnen strukturell und durch entsprechende Politik vorenthalten.

Der linksliberale Politikwissenschaftler Müller (zweites Zitat) ruft Grundsätze der Menschenrechte und des Grundgesetzes auf, die deutlich machen, daß Armut kein „Naturzustand“ sein muß und der Staat davor zu schützen habe.

Heinrich Heine (drittes Zitat) stellt schon zu Beginn der Industrialisierung fest, daß die Mittel zur Beseitigung jeglicher Not geschaffen worden sind. Daraus ergibt sich das erste Gebot, alle Nöte der Menschheit aufzuheben.

Das bedeutet erst recht aktuell die notwendige Möglichkeit, den vorhandenen Reichtum für die Realisierung des Allgemeinwohls zu verwenden. (Das Vermögen der Reichsten weltweit beträgt mittlerweile 8,5 Billionen Dollar.) Konkret heißt das, hinreichend Steuern zu erheben (auch einzutreiben) für Bildung, Soziales, Kultur, Gesundheit und Infrastruktur; bedarfsgerechte Löhne zu zahlen und die Arbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich zu reduzieren sowie Investitionen (durch entsprechende Gesetze gelenkt) für den ökologischen und zivilen Umbau (Rüstungskonversion) zu tätigen. Die Mittel für die entsprechenden Aufgaben und Erfordernisse sind also vorhanden. Sie müssen zwecks allgemeiner Aufgaben respektive zur deutlichen Hebung des Allgemeinwohls politisch umgelenkt werden. Der Mensch ist ein gesellschaftliches (politisch, sozial und kulturell) Wesen, kein Triebtier mit Gewinnstreben. Das gilt ebenso – doppelt – für die Wissenschaften: Sie sind erbärmlich – wie vieles andere auch – unterfinanziert und können mit guten Gründen fordernd darauf hinweisen – verantwortlich, gut belegt, couragiert und frei.

Wir haben die Wahl zur Besserung. Das hebt auch die Persönlichkeiten.

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Aktive Sinnstiftung
Aus den Irrtümern hinaus

„Man muss die Dominanz einer Selbstverwirklichungskultur positiver Gefühle in ihrer ganzen Tragweite erkennen, um zu begreifen, welche Bedeutung umgekehrt negative Gefühle in der Spätmoderne erlangen können. (...) Ein Leben, das sein Fundament im subjektiven Erleben findet, kann im glücklichen Fall emotional besonders erfüllend sein – aber dem Erleben ist es eigen, dass es häufig ambivalent ist und sich einstmals positive Gefühle abnutzen und ins Negative kippen: Dann hat man das Gefühl, der einmal ergriffene Beruf füllt einen nicht aus, in der Partnerschaft mehren sich die Störelemente, der Wohn- und Lebensort verliert seinen Reiz. Nach außen gesehen perfekte Lebensbedingungen können im subjektiven Erleben ausgesprochen schal erscheinen.“

Andreas Reckwitz, „Für eine Kultur der emotionalen Abkühlung“, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“), 24.11.2019, S. 42.

 

„SPIEGEL: Sollte man in kritischen Situationen erst einmal auf Sicht fahren?
Hoppert: Wer nur auf Sicht fährt, fährt leicht dem Untergang entgegen. Wenn Nebel aufkommt, ist man verloren ohne Radar oder andere Navigationshilfen. Wer auf Sicht fährt, hat nichts als die eigene Wahrnehmung. Es gibt Situationen, in denen das einfach nicht ausreicht.“

Kapitän a.D. Friedhold Hoppert im „SPIEGEL-Interview“, „SPIEGELONLINE“, 24.11.2019

 

„Die Gesellschaftsform ist die beste, die den meisten Menschen den größten Erfolg gewährleistet.“

Bertolt Brecht, „Über Erfolg“, „Me-ti / Buch der Wendungen“, wesentlich entstanden im Exil der 1930er Jahre.

Fahren nur auf Sicht: Das unmittelbare, scheinbar alternativlose Handeln ist nicht nur das Dogma der Kanzlerin oder der sogenannten GroKo, sondern wird auch als Leitlinie für das Gros der Bevölkerung propagiert.

Das bürgerlich-protestantische „Arbeite, bete, spare“ findet seine aktuelle Entsprechung in dem neoliberalen Gebot „Leiste, lächle, vereinsame“. Suggeriert wird, wenn mensch nur hinreichend auf sich achte, sich selbst optimiere, positiv denke, seinen Vorteil erringe, werde alles gut. So normal zu sein, bringe alles ins Lot.

So gesehen sind die scheinbar perfekten individuellen Lebensbedingungen – wer auch immer sie der Form nach erreichen mag – nicht nur, wie Andreas Reckwitz in der „FAS“ (erstes Zitat) sie subjektiv erscheinen läßt, schal, sondern strukturell ungenügend und deshalb veränderungswürdig. Dabei geht es nicht darum, abzukühlen. Vielmehr ist der Verstand neu zu justieren.

Das „Fahren nur auf Sicht“ erklärt schon der erfahrene Kapitän (siehe zweites Zitat) als gefährlich. Das gilt in „kritischen Situationen“, aber auch in weniger gefährlicher Lage ist kurzfristig orientiertes Handeln wenig befriedigend bzw. kaum wirkungsvoll gestaltend.

Sinngebend, menschlich angemessen und persönlich souverän ist hingegen (siehe drittes Zitat), sich bewußt an der vernünftigen Veränderung der gesellschaftlichen Lebensbedingungen zu beteiligen. Der Mangel besteht nicht in zu wenig individueller Leistung, Fitness oder Wellness, sondern in einem sozialen Defizit an Arbeit, Bildung, Kultur und Frieden. Erst wenn die Waffen schweigen, die Not beseitigt wird, sinnvolle Arbeit ausreichend bezahlt wird, der Mensch sich in einer intakten Natur erholen und sich aufgeklärt begegnen kann, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich und nützlich wirksam sind und kooperatives Handeln zu dominieren beginnt, kann von einem Einklang zwischen Verstand und Gefühl gesprochen und als Stimmigkeit so erlebt werden. Einsamkeit ist überwindbar.

Logik
Das Bestehende
beherzt zu kritisieren,
öffnet den Verstand.

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Jakobinersperling